Statement eines "Suchtis"  

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Zasle
(@zasle)
New Member

Hallöchen, ich habe von dieser Seite durch ein Youtube-Video erfahren, und möchte einmal meine Eindrücke und Anregungen zum Thema Spielsucht teilen. Ich denke auch betroffene Eltern, dessen Kinder sich wenig zu dem Thema sagen lassen möchten, könnten hier vllt. die ein oder andere Impression mitnehmen.

Vorweg: Ich bin 27 Jahre alt, männlich, aus NRW und Spiele mittlerweile seit knapp 14 Jahren Computerspiele.

 

Ich möchte nicht lange drumrum reden und komme direkt zur Sache:

Auch ich war Computerspielsüchtig.

Computerspielen habe ich mit 13 begonnen, und geendet hat es (noch) immer nicht. Dazu später mehr.

Meine sucht erreichte ihren Höhepunkt als ich ungf. 15 Jahre alt war(World of Warcraft) . Zu diesem spiel muss ich direkt sagen, es ist vermutlich das Spiel, dass die meisten Jugendlichen zu jener Zeit in ihren bann gezogen hat, und somit auch mich. 6-7 std in der Woche und 13-18 std am Wochenende waren da relativ "normal".  Die Schule habe ich dafür zwar nie geschwänzt, aber wirklich etwas zu hause getan, habe ich dafür auch nicht. Mit ach und krach schaffte ich dann mit 16 meinen Realschulabschluss und konnte eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik antreten. Auch während der Ausbildung hielt ich mehr Kommunikation mit Internetfreunden als mit "echten" ;). 

zu beginn des 2. Lehrjahres(17/18 j. alt) hatte sich irgendwie etwas verändert. Ich traf mich wieder mehr mit Leuten aus der Schule und lernte so auch neue Freunde und Freundeskreise kennen. Ich hatte das erste mal eine Freundin, und die Spielzeiten gingen damit auch Stark zurück. Zum ende meiner Ausbildung schmiss ich sogar meinen Rechner weg, und kaufte mit nur noch ein Notebook für Social Media und so einen Kram.

Das ging erstmal eine Weile so, bis ich durch Krankheit knapp 4 Wochen zu hause bleiben musste, und anfing mir wieder das ein oder andere Spiel auf den Laptop zu laden. Es war generell eine weitere Zeit des Umbruchs, da ich mit meiner Beruflichen Situation unzufrieden war. Mit Ende 21 besaß ich wieder einen richtigen Computer und machte eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Jetzt könnte man sagen, dass ich wieder in alle alten "schlechten" raster zurück gefallen wäre. Allerdings war der Unterschied, dass ich wenn überhaupt Abends für 2-3 std spielte, mich eigtl. jeden 2. tag mit Freunden traf , und die Wochenenden eigtl. nie vor der Kiste hockte. 

 

Heute arbeite ich seit knapp 3 Jahren in einem Unternehmen in meiner nähe, und meine Computerspielgewohnheiten sind meiner meinung nach relativ normal. Während andere 3 std am tag vor dem Fernsehr sitzen, spiele ich Computerspiele und unterhalte mich mit Freunden aus der Umgebung im Teamspeak.

 

Fazit: 

Ich hatte nie einen wirklichen Therapieansatz um meine Sucht zu bekämpfen, es schwand irgendwann von alleine. Nichts desto trotz halte ich mein damaliges Spielverhalten für maßlos, und hätte eine schnellere Einsicht im nachhinein besser gefunden. Das Problem an süchten ist aber: Man kann eine Sucht nur bekämpfen , wenn man eine Sucht auch bekämpfen will, und das geht den meisten Spielern nicht so.  

 

Mütter seit zumindest ein Bisschen entwarnt: Nach der Pubertät verliert das Computerspielen etwas an Reiz. Probiert eure Kinder nur so bei der Stange zu halten,  dass sie zumindest einen Schulabschluss schaffen ;D .

 

 

Gruß,

Zasle

Zitat
Veröffentlicht : 09/10/2019 10:47 pm
Ronald Stolz
(@rollroll)
Admin Admin

Hallöchen Zasle,

sorry für die späte Antwort. Ich komme leider jetzt erst dazu. Ersteinmal vielen Dank für deine Offenheit. Ich kommentriere das mal wie du Absatzweise.

Es ist zwar Schade das du soweit herkommst aber WWW macht es ja möglich. Die eigenen Erfahrungen teilen, gerade von uns Betroffenen ist sehr wichtig, und ich finde sogar unumgänglich. Wie du schon richtig mit dem Stichwort sagest. ELTERN  .. ja da fängt schon sehr viel an. Manchmal muss man an anderer Stelle helfen um an das Ziel zu kommen. Daumen hoch KLASSE.

So wie auch bei mir finde ich es bemerkswert das du den Fokus Schule nicht verloren. Auch wenn es ein Krampf oder Kampf war. Ich schliese daraus das du ein Mensch bist der weiss wer will egal ob das jetzt positiv oder negativ zu sehen ist. Aber Selbstbewusstsein Schätze ich hast du!

Ja aber im Gaming gibt es ein auf und ab in den man sich verlieren kann. Man entwickelt sich weiter. Prioritäten ändern sich aber die Tür zur Gaming Welt ist halt immer offen. Sicher spricht nichts dagegen ab und an mal zu zocken. Aber bewusst eben.

Trotzdem darfst du nicht vergessenm das die Generation Gamer die nach uns kommt eine ganz andere ist. Diese wächst intensiv mit den Digitalen Medien auf. Gerade Eltern schaffen erst die Möglichkeit das die kleinen in diese Welt abtauchen können. Ich selbst hatte auch nie eine Therapie aber nun, heute gibt es Möglichkeiten. Die Eindrück in der Onlinewelt sind auch viel intensiver als früher. Es ist eine andere Generation. Heute haben wir Gamingsüchte, Serienjunkies, Onlinekaufsüchtige, Onlinesexsüchtige, Facebook Insta und Co.

Auch die Krankheit daraus ist nicht zu verachten. Du hast mit einer gewissen Prozentzahl mit deinen letzen abschnitt zwar auch recht, trotzdem ist es meist so das die Onlinespielsucht und Medienabhängikeit meist ein Sympthom aus anderen Krankheiten ist. (Mobbing, Eltern Probleme, Schul - Arbeitsprobleme, Eheproblem und so weiter)

Auch ist es so das .. schau mal ich denke das du so wie ich, wir hatten mehr sie Soziale Abhängigkeit. Dabei zu sein, ganz vorn, nidchts zu verpassen, nicht doof vor den anderen da stehen etc.

Aber es gibt noch mehr sucht Formen  ... und meist in Kombination mit Alkohol und Drogen, Depressionen und Borderlind und so weiter.

Fazit: Danke das du dich hier öffnest und das du auch gern zu anderen Beiträgen deine Persönliche Meinung sagst.

PS: Bis heute hab ich es nicht geschafft meinen WOW Account zu löschen. Über 10 Jahre und tausende von Spielstunden sagen mir das es ein Teil meine Lebens ist.

Grüße Ronald

 

AntwortZitat
Veröffentlicht : 15/10/2019 8:05 pm
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